Ösi Gschicht isch doch scho lengscht Legende...

Die Guggen haben es ihnen angetan, den drei kleinen Riedlern Andreas, Dominic und Sepp. Verkleidet und mit riesigen Traktoren samt Anhänger lassen sich die „Grossen“ Jahr für Jahr durch die Gasse kutschieren und dürfen dabei noch richtig Lärm machen. Das wollen sie auch.

Sich den Windeln noch nicht lange entledigt beschliessen die drei Knirpse deshalb im Herbst 2002 eine eigene Guggenmusik zu gründen. Kurzerhand finden sich weitere Fasnachtsbegeisterte und der Startschuss für die „Ried-Chlepfer Appezöll“ ist gefallen.

Mamas vorsorglich gehorteter Vorrat an Konserven wird geplündert, die Raviolidose zur Trommel umfunktioniert und die Bratpfanne als Chinelle missbraucht. Es „cheit“ - vielleicht nicht nach einer Symphonie, aber Lärm macht es. Und herzig aussehen tut es auch noch.

 

Ein halbes Jahr später wird es dann ernst. Der Fasnachtsumzug steht vor der Tür und die acht „Maschgere“ wollen abliefern. Mit Kochtopf und Farbeimer bewaffnet bestehen die kleinen Riedler ihre Feuertaufe unter den „Grossen“. Das entfachte Feuer wurde angeheizt und die Gruppe kann die nächste Fasnacht bereits kaum erwarten.

 

Noch ein weiteres Jahr schlägt sich die Rasselbande mit ihren zusammengebastelten Schlagutensilien durch, bis der Entschluss gefällt wird, richtige Instrumente anzuschaffen. Solche wie die „Grossen“ halt haben. Die Raviolibüchse weicht dem Snare Drum und die Rhythmusgruppe wächst Jahr für Jahr. Am 9. November 2009 machen es die „Ried-Chlepfer“ dann offiziell. Sepp Koller wird zum 1. Präsidenten des frisch gegründeten Vereins gewählt.

 

Immer wieder ist sie ein Highlight, die 5. Jahreszeit. Die Knirpse wachsen zu Männer heran und die Leidenschaft zur Musik und zum Fest schweisst die Gruppe zusammen. Trotzdem, etwas fehlt noch. Nach langem hin und her fassen die „Ried-Chlepfer“ ihren Mut und besorgen sich Trompete, Posaune und Sousaphon. Die 12. Fasnacht als Guggenmusik soll mit Blasinstrumenten bestritten werden. Nur, keines der Mitglieder kam je in den Genuss einer musikalischen Ausbildung. Treu dem Motto “zesch probiere, denn studiere“ trifft man sich wöchentlich und versucht irgendeinen Ton aus den zylindrischen Rohren herauszuquetschen. Die Töne lassen auf sich warten, das Gelächter der beobachtenden Vereinsmitglieder nicht. Dieses nutzt man als eine weitere Motivation und bleibt am Ball - oder eben am Mundstück.

Nach etlichen Schweissausbrüchen, roten Köpfen und pulsierenden Adern, welche ihre Dehnungskapazität schon lange erreicht haben sollten, werden dann doch schon bald die ersten Stücke getrötet. So kommt es, dass im Jahr 2014 die Rhythmusgruppe plötzlich als Musikgruppe dasteht. Es „cheit“ - vielleicht nicht nach einer Symphonie, aber Lärm macht es.

 

Und wie schon damals ist dies noch heute einer unserer Grundsätze. Wir lieben die Fasnacht und alles was dazugehört - besonders die Musik. Wer hätte daran geglaubt, dass die acht Büchsenzerschmetterer 15 Jahre später noch jährlich die Gassen Appenzells unsicher machen? Wahrscheinlich nur sie.

Es bereitet uns eine unbeschreibliche Freude, noch immer ein Teil der Appenzeller Fasnacht zu sein und freuen uns, die 5. Jahreszeit auch in Zukunft mitgestalten zu dürfen - denn jetzt gehören auch wir zu den „Grossen“.